Typisch methodistisch

„Du bist also Methodistin – und was ist da anders als z.B. in der Landeskirche?“ Diese oder ähnliche Fragen bekomme ich, wenn ich mich mit anderen unterhalte, immer wieder gestellt. Es ist gar nicht so einfach, darauf passend zu antworten. In Gomaringen hatten wir im Januar hierzu drei Gemeindeabende, die von Masterstudierenden der Theologischen Hochschule Reutlingen gestaltet wurden.
Auf der Einladung zum ersten Abend lese ich „Ihre Route wird berechnet“ ; das Thema am zweiten Abend lautet „Ihr Standpunkt ist gefragt“. Und der dritte Abend steht unter der Überschrift „Aktualisieren Sie Ihr Kartenmaterial“. Unwillkürlich muss ich lächeln, denn ich habe gerade für mein neues Auto ein Navi gekauft.
Gespannt besuche ich die erste Veranstaltung. Draußen ist es bitterkalt, drinnen werde ich – vielleicht ist auch dies typisch, aber nicht nur methodistisch – freundlich begrüßt und bekomme eine Tasse heißen, leckeren Punsch. Im Kirchenraum stehen Tischgruppen, und es gibt kleine Snacks. Ich schaue in die Runde und freue mich: Ich entdecke bekannte Gesichter – auch aus dem ökumenischen Umfeld, denn um unsere kirchliche Identität bekannt zu machen, haben wir auch in anderen Kirchen eingeladen. Erwartungsvoll setze ich mich hin. Heute soll es um die Entstehung und die Besonderheiten des Methodismus gehen. Ich erlebe, wie die Studierenden das Publikum in ein anregendes Frage- und Antwortspiel verwickeln. Und ich erfahre z.B. dass die Methodisten die ersten waren, die auch Kindern in der sogenannten „Sonntagsschule“ Gottes Wort lieb zu machen versuchten und ihnen mit der Bibel Lesen und Schreiben beibrachten. Sonntags deshalb, weil dies der einzige Tag war, an dem Kinder Zeit hatten.
Am zweiten Abend reden wir über das, was John Wesley „Gnadenmittel“ nannte. Dabei geht es nicht nur um die Vergangenheit. Wie können auch wir heute uns von Gott im Alltag beschenken lassen? Und wie wirkt sich das in unserem persönlichen Leben aus? Anschließend feiern wir Abendmahl – eines der „Gnadenmittel“ nach John Wesley – und betätigen uns an verschiedenen Stationen kreativ. Den stärksten Eindruck hinterlässt bei mir aber der persönliche Bericht einer Studierenden, die ihre Erstbegegnung mit einer methodistischen Gemeinde schildert.
Auch zum dritten Abend gehe ich. Nun geht es um die Frage, wie persönlicher Glaube das Leben in Alltag und Gesellschaft prägt. Wir sprechen über die „Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche“. Hierzu haben die Studierenden einige Thesen auf Tischen verteilt, die wir uns zuerst ansehen. Als wir dann in Kleingruppen jeweils eine These intensiver diskutieren, wird es spannend.
Mir haben diese drei Abende gut getan – auch weil sie mir meine methodistischen Wurzeln wieder bewusst gemacht haben. Und ich habe mich gefreut, dass sich Menschen aus verschiedenen Kirchen haben einladen lassen. Denn ich denke, dass wir als Kirchen in unserer Zeit nur gemeinsam wirken und die Kraft des Evangeliums entfalten können. Vielen Dank für die bereichernden Abende und an alle, die dabei waren – besonders an die Studierenden der TH Reutlingen.
Katrin Braun